US Arbeitsproduktivität und US Dollar Index

US Dollar Index, die US Arbeitsproduktivität und Urlaub

Lieber Leser,

die laufende Woche war für den US-Dollar weniger positiv. Schauen wir auf den US Dollar Index, so tendiert dieser, kurzfristig betrachtet, mehr nach unten als oben. Zuvor wurde ein kurzfristiges Doppel-Top ausgebildet.

US Dollar Index Chartanalyse

Zwei relevante Impulse sind erkennbar. Der erste ereignete sich am Dienstagnachmittag zu der Zeit als die US Arbeitsproduktivität für das zweite Quartal veröffentlicht wurde. Der zweite folgt auf die Einzelhandelsumsätze am Freitag. Beide sind wie ersichtlich nicht gut ausgefallen, weshalb der US-Dollar Index stagnierte.

Was sagt die US Arbeitsproduktivität aus?

Erstaunlich ist, dass die US Arbeitsproduktivität in der Regel nur selten einen Market-Mover darstellt, weil die dazugehörigen Daten bereits im Rahmen anderer Veröffentlichungen teilweise bekannt sind. Die Produktivität ist dennoch ein sehr wichtiger Indikator, wie man in dieser Woche gesehen hat. Warum?

Die größten Kosten bei der Herstellung eines Produktes, sind die Arbeitskosten. In einem Unternehmen nehmen diese in etwa 70 % aller Kosten ein. Sie stellen damit eine wesentliche Größe für die erzielte Wirtschaftskraft dar. Über die Produktivität, lässt sich feststellen, wie effizient Arbeitskräfte eingesetzt werden und damit Rückschlüsse nicht nur auf das zukünftige BIP-Wachstum (Produktivität und Erwerbstätigenanzahl) ziehen, sondern auch auf die Inflation (Produktivität und Stundenlöhne). Die Produktivität gibt an, wie viel Leistung pro Stunde erbracht wurde.

Derweil ist es nicht so einfach, wie es sich liest. Der Normalfall ist, wenn die Produktivität fällt, der Arbeitsmarkt aber weiterhin stabil bleibt. Das liegt daran, dass Arbeitgeber zunächst die Produktion herunterfahren, bevor sie Arbeitnehmer entlassen. Sofern sich die Konjunktur wieder erholt, steigt die Produktivität abrupt an, denn es wird in diesem Fall mehr produziert, jedoch mit weniger Arbeitnehmern. Das folgende Chart macht das deutlich.

US-Produktivität Q2 2016

In einer konjunkturellen Erholung also, steigt die Produktivität an sowie werden anschließend neue Arbeitnehmer eingestellt. Das führt schließlich dazu, dass mehr Arbeitsstunden geleistet werden und die Produktivität wieder beginnt zu fallen.

Dennoch, findet aktuell eine ökonomische Debatte darüber statt, ob die Arbeitsproduktivität überhaupt noch als Indikator eine gute Aussage zur wirtschaftlichen Entwicklung treffen kann. Kritisch sieht man das vor allem unter dem Aspekt, dass Arbeitsproduktivität durch den wissenschaftlichen Fortschritt der letzten beiden Dekaden, generell zum Steigen tendiert, während der Arbeitsmarkt davon nicht profitieren kann.

Mehr noch, würde die auf Basis der wissenschaftlichen Neuerungen erlangte Produktivität dazu führen, dass Arbeitnehmer schwerer an Arbeitsplätze kommen als zuvor. Andere halten dagegen und meinen, dass es egal ist, denn auch ein Umdenken in den Arbeitsprozessen, führt zur Gründung neuer Unternehmen und damit von Arbeitsplätzen.

Was sagen die aktuellen Zahlen?

Die aktuellen Zahlen zum zweiten Quartal können aus folgenden Gründen als kritisch angesehen werden. Zum einen ergaben die Daten einen deutlichen Rückgang der US Arbeitsproduktivität. Im Vergleich zum Vorquartal ist die Produktivität um 0,5 % gefallen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Produktivität um 0,4 % rückläufig gewesen. Auch die Revision für das erste Quartal ergab eine Stagnation. Die Durchschnittslinie (4 Jahre) wurde klar unterschritten und zwar das erste Mal seit 2012 (siehe Chart oben).

Neben der Arbeitsproduktivität, also dem Output pro Stunde, werden auch andere wichtige Daten mit veröffentlicht, wie etwa die Lohnstückkosten (Unit Labor Costs) oder das Entgelt je Stunde (Compensation per hour). 

Sofern die Lohnstückkosten steigen, wird es logischerweise teurer für das Unternehmen zu produzieren. Fällt gleichzeitig die Produktivität, so ist das ein Indiz dafür, dass das Entgelt je Stunde (Löhne) schneller steigt als die Produktivität (Inflation = schwächere Währung). Eine Steigerung der Lohnstückkosten ist daher meist negativ und nicht wie fälschlicherweise in vielen Wirtschaftskalendern von Börsenportalen dargestellt, als bullisch zu bewerten.

Arbeitsproduktivität

Fazit

Die Schlussfolgerung des Marktes war eindeutig. Der US-Dollar Index stagnierte weil:

  1. Man davon ausgeht, dass die aktuelle Produktivität zusammen mit den starken Beschäftigtenzahlen, nicht mehr zum notwendigen Wachstum des BIPs beitragen kann (Stagnation der Produktivität im Rahmen einer Erholung, siehe oben). Bei Vollbeschäftigung wird es umso schwerer die Nachfrage zu kompensieren.
  2. Man davon ausgeht, dass Arbeitsmarktdaten für die folgenden Monate diesen Umstand deutlich machen werden, also möglicherweise das Wachstum von Neueinstellungen fallen wird.
  3. Mit dem stagnierendem Wachstum von Neueinstellungen schließlich der Zinspfad der FED umso flacher ausfallen dürfte.

Hinweis: Diese Analyse beinhaltet nur eine grobe Einschätzung der vorliegenden Daten. Tiefergehende Auswertungen sind in der Regel notwendig, um eine der Historie entsprechend zuverlässige Einschätzung zu treffen. Diese biete ich auf Anfrage an.  

Endlich Urlaub

Auch für mich heisst es in der nächsten Woche: „Endlich Urlaub“. Mit einer Woche fällt dieser zwar relativ kurz aus, als Selbständiger, teile ich mir die Zeit jedoch größtenteils selbst ein und kann mal hier mal dort, ein bis zwei Tage frei machen. Ob ich den Urlaub allerdings genießen werde, ist eine andere Farge, denn meine Liste mit aufgeschobenen Haushalts-Aufgaben ist mindestens genauso voll, wie die To-Do-Liste im Job. Da fragt sich nach einer Weile, was denn eigentlich angenehmer ist, Arbeit oder Urlaub?

Aufgrund dessen wird es auf der Startseite in der nächsten Woche auch keine neuen Charts der Woche und des Tages geben sowie keine Beiträge im Blog. Auch bei Twitter wird es nur vereinzelt News geben. Ich wünsche allen Lesern wie immer weiterhin viel Erfolg an den Märkten oder Erholung im Urlaub.

David Iusow

Ölpreis stagniert

Was ist mit dem Ölpreis los?

Lieber Leser,

in der vergangenen Woche fielen Benzinbestände in den USA abrupt und verursachten damit eine gewisse Stabilität beim Ölpreis. Ich hatte in diesem Beitrag

Öl- Ein neuer Bärenmarkt?

erklärt, warum das so ist. Hier spielt die Nachfrage nach Benzin eine besondere Rolle und damit nach Rohöl seitens der Raffinerien. Die Rohöllagerbestände sind laut der EIA nun per 10. August drei Mal in Folge gestiegen.

API Rohölbestände

EIA Rohölbestände

Wie die Analysten von Bespoke in diesem Beitrag

Crude Oil Inventories Continue to Rise; Gasoline Stocks Decline

erläutern, findet der Anstieg in einem Zeitraum statt, indem die Bestände, bezogen auf einen Zeitraum von 10 Jahren, im Durchschnitt fallen.

As shown in the shaded box in the top chart, crude inventories have been rising for the last three weeks, at a time of year when they are typically declining.  With the increases over the last three weeks, crude oil inventories are currently 188 million (53%) above average for this time of year and within 20 million barrels of their multi-decade peak.

Der saisonale Abbau von Beständen geht in der Regel mit der erhöhten Nachfrage nach Raffinerie-Produkten einher wie Benzin,  da im Sommer mehr gefahren wird. Der Rohöllagerbestandsaufbau fiel zuletzt (10. August Veröffentlichung) zwar etwas geringer aus, dennoch handelt es sich immer noch um einen Aufbau und nicht wie oft fälschlicherweise angenommen, einen Abbau im Vergleich zum Wert davor. Hier eine Zusammenfassung der Bestände durch zerohedge.com

API

Crude +2.09mm (-1.5mm exp) – biggest in 3 months
Cushing +1.2mm (-1.3mm exp) – biggest in 3 months
Gasoline -3.9mm (-1.3mm exp)
Distillates -1.5mm

EIA

Crude +1.055mm (-1.5mm exp)
Cushing +1.16mm (-1.3mm exp) – biggest in 3 months
Gasoline -2.8mm (-1.3mm exp)
Distillates +1.15mm

Benzinbestände (Gasoline) sind, wie man sieht, die zweite Woche hintereinander gefallen. In der letzten Woche waren sie noch für die abrupte Stabilität verantwortlich. Mehr als eine kurze Erholung war es jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht, denn verglichen mit den Beständen im Vorjahr, betragen diese aktuell immer noch ca. 20 Mio Barrel mehr. Vor zwei Wochen waren es noch 25 Mio. Barrel. Hier muss also noch einiges mehr passieren.

Wie es aussieht, steigen die Rohöllagerbestände sowieso munter weiter und die Konzentration gilt nun erst einmal diesen Beständen, wie der Ölpreis eindeutig zeigt. Einigen Analysten zu Folge könnten die erhöhten Bestände auch etwas mit den erhöhten Importen zu tun haben und weniger mit der eigenen Produktion. Diese ist nämlich ebenfalls in den letzten zwei Wochen gefallen, nachdem sie drei Wochen in Folge angestiegen ist.

Das kurzfristig einberaumte OPEC-Treffen im September ist, meines Erachtens nach, aktuell noch keine Rede wert, auch wenn sich andere Medien das Maul darüber zerreißen. Zwar besteht gegen Ende des Jahres eine erhöhte Wahrscheinlichkeit zur einer Einigung, doch im September, dürfte der Iran sein Produktionsziel von über 4,2 Mio. Barrel pro Tag, noch nicht erreicht haben. Ich kann mir daher nicht vorstellen, dass Saudi-Arabien, das laut dem neusten Opec-Bericht wieder auf Rekordniveau produziert, zu einer Einigung bereit wäre. Der Oman hat dem Treffen bereits eine Absage erteilt.

Der Ölpreis für die nordamerikanische Rohölsorte WTI, hat sich zunächst sichtlich erholen können, gab allerdings am Mittwoch abrupt wieder nach (siehe unterer Chart), nachdem die Rohöllagerbestände abermals einen Aufbau verzeichneten und bekannt wurde, dass Saudi-Arabien auf vollen Touren produziert. Sollten in den nächsten Wochen Benzinbestände wieder zunehmen, wäre es sicherlich kein gutes Signal für den Ölpreis. Mal sehen ob einige der Opec-Produzenten dann wieder kalte Füsse bekommen und etwas von Produktionskürzungen quaseln. Dass das dann noch einer glaubt, ist eher unwahrscheinlich.

Ölpreis Chartanalyse

Viel Erfolg!

David Iusow

Update:

Mal sehen ob einige der Opec-Produzenten dann wieder kalte Füsse bekommen und etwas von Produktionskürzungen quaseln.

Lange warten musste man ja nicht:

Per Zerohedge.com

Having plunged yesterday on ‚real‘ excess supply data, WTI crude is rallying this morning – back above $42, NYMEX close dump levels – on the heels of the latest OPEC/NOPEC headline farce on output freezes (the day after Saudis announce record output!!)…Just a day after Saudis announce record output, the following headlines hit…

*SAUDI ENERGY MIN. TO MEET OPEC, NON-OPEC PRODUCERS NEXT MNTH:DJ
*SAUDI MINISTER: TALKS COULD COVER STABILIZATION ACTION: DJ
*SAUDI ENERGY MINISTER: GLOBAL DEMAND FOR OIL STILL STRONG: DJ
SAUDI OIL MINISTER SAYS EXPECTS DE-STOCKING TO ACCELERATE IN ALL PARTS OF THE WORLD PROVIDING SUPPORT FOR OIL PRICES – STATEMENT

And so… oil rallies… (though we wonder if this is just another stop run to that NYMEX close dump ledge)

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Crude Lifts After Rising Oil Rig Count Trend Ends t.co/EWVfwMoX0O

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like they did in 2015 #dax t.co/ZbE6j7UZEI

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correct me if I am wrong, but do have #eustocks predicted the $USD strength?? $DAX #DAX $EURUSD

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chart that I have tweeted on 29th of july $USD

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Yes, I think she is talking about policies in the next downturn, if interest rate cuts alone are insufficient. t.co/Q4ZUYPg21n

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Yellen not surprising given Fischer and Dudley. What have we learned? Broader range of assets to be bought rather than negative rates.

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