EUR/USD Spekulanten Analyse des COT-Berichts

Die Sache mit den EUR/USD Spekulanten

Liebe Leser,

zuletzt haben einige Medien wieder darüber berichtet, dass die Nettoshort-Position der EUR/USD Spekulanten auf den Euro FX Future deutlich abgenommen hat. Sie wissen ja, dass ich solchen Aussagen, vor allem was COT-Daten angeht, stets kritisch gegenüber stehe. Falls nicht, dann lesen Sie diese beiden Beiträge

Die Sache mit den Ölspekulanten

Ölpreis- Das Gesamtbild trübt sich ein

Der COT-Report kann Berichte sehr gut mit vertrauenserweckendem Content füllen. In vielen Fällen wird jedoch gar nicht in die Tiefe des Berichts geschaut, weshalb die Aussagekraft in genau so vielen Fällen, eher begrenzt bleibt.

Generell schaue ich mir COT-Daten für Währungen gar nicht an, denn der Währungsmarkt ist der am Umsatzvolumen gemessen größte Kapitalmarkt von allen. Seine Schwankungen werden ganz bestimmt nicht von einer Gruppe, die an den Terminmärkten agiert, bestimmt. Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass die Netto-Positionen der am Terminmarkt agierenden Gruppen auf Währungskontrakte sehr lange um den Nullpunkt fluktuieren. Sie wechseln also ziemlich häufig von Nettoshort auf Nettolong und umgekehrt. Würde man nun jedes Mal auf den Wechsel reagieren und das als Entscheidungsgrundlage heranziehen, dürfte der Mißerfolg nicht lange auf sich warten lassen.

EUR/USD Spekulanten in den letzten zehn Jahren immer nettoshort

Des Öfteren weisen jedoch auch Währungspaare einen stabilen, langfristigen Trend auf, sodass die krassen Schwankungen bei den Netto-Positionen abnehmen. Diesen Fall kann man aktuell bei den Netto-Positionen der EUR/USD Spekulanten auf den Euro FX Future und Optionen beobachten. Das untere Chart zeigt den Verlauf des EUR/USD-Kurses für die letzten zwanzig Jahre.

EUR/USD Spekulanten Nettoshort-Positionen

Was wir sehen ist, dass die Netto-Positionen der EUR/USD Spekulanten an den Terminbörsen bereits seit 2008 überwiegend Nettoshort sind. Wenn ich mir nur den Kurs anschaue, dann sagt mir dieser auf den ersten Blick bereits folgendes: Der EUR/USD-Kurs war in den letzten zehn Jahren deutlich von dem Einfluß der Notenbanken geprägt. Kurz nach der Finanzkrise legte die FED ihr erstes QE-Programm auf. Der EUR/USD-Kurs stieg in Folge dessen auf über 1,50 US-Dollar je Euro. Die darauf folgenden Schwankungen waren ebenfalls vom QE der FED, zu Teilen auch der EU-Krise, geprägt.

Was aber auch auffällt ist, dass die Netto-Positionen der EUR/USD Spekulanten in all den zehn Jahren die meiste Zeit nettoshort waren und nur zeitweise recht nah an die Nullinie abgebaut wurden. Wenn man genau hin schaut, dann erkennt man auf den ersten Blick, dass ein wichtiges Tief im EUR/USD Kurs immer mit einer extrem hohen Nettoshort-Position einherging. Aber wie es nun mal mit Extrempositionen so ist: Im Nachhinein sind Hochs und Tiefs sehr einfach zu erkennen. Wer sagt einem aber, dass die Position nicht hätte noch weiter ausgebaut werden können, wie es beispielsweise in 2012 oder in 2015 war?

Kontinuierlicher Abbau der Nettoshorts

Seit dem krassen EUR/USD Verfall in 2014 wurden die Nettoshort-Positionen der Spekulanten, wie man gut erkennen kann, kontinuierlich abgebaut. Und zwar bewegen sie sich nun tatsächlich sehr nahe der Nullinie wie das untere EUR/USD Chart in Wochenkerzen noch mal deutlich macht. Aktuell liegt die Nettoshort-Position bei 19.662 Kontrakten. Die höchste Anzahl an Nettoshort-Kontrakten wurde in 2015 bei 226.000 Kontrakten gezählt.

EUR/USD Spekulanten an den Terminbörsen

Man kann, aus meiner Sicht, durchaus annehmen, dass die aktuelle Positionierung nahe der Nullinie auf gewisse Weise eine extrem niedrige Positionierung anzeigt. Und zwar mehr als eine Extrem-Positionierung bei einer hohen Anzahl, denn da hat mein keinen Anhaltspunkt darüber, was Extrem überhaupt ist. Wohingegen wir im Falle des kontinuierlichen Abbaus der Nettoshort-Positionen seit 2015, durchaus einen langfristigen Trend beobachten können. Die Frage ist aber aber nun mal nicht ob eine Extremposition erreicht wurde, sondern was diese Extremposition aussagt?

Gehen wir nach der allgemeingültigen Definition, dann ist eine Extremposition eine Kontraindikation. Demzufolge dürfte es eher auf eine baldige Umkehr im Kursverhalten hindeuten. Also, dass die längerfristige Seitwärtsphase bald vorbei wäre und der EUR/USD Kursverfall sich fortsetzt. Andererseits können wir dem ersten Chart ebenfalls entnehmen, dass es für eine zeitweise Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar keine extremen Nettlong-Positionierungen benötigt. Es reichte in den letzten zwanzig Jahren bereits aus, wenn die Netto-Positionen leicht über der Nullinie fluktuierten.

Fazit

Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum die Analyse des COT-Berichts oft ein zweischneidiges Schwert ist. Man sollte immer bedenken, dass die echten Einflüße auf den Währungskurs nicht vom Terminmarkt herkommen, sondern genereller Natur sind. Insofern, wenn Sie vor der Entscheidung stehen, welche Kenntnisse Sie sich über Währungen aneignen sollen, dann würde ich Ihnen als erstes empfehlen, sich mit diesen Einflüssen zu beschäftigen. Aus der COT-Analyse kann ich zumindest folgendes mitnehmen:

  1. Nettoshort-Positionierungen für den Euro FX Future haben eine extrem niedrige Position erreicht. Zwar waren diese bereits in 2015 und 2016 sehr nahe der Nulllinie, allerdings scheint der längerfristige Trend beim Abbau (2015 bis heute) die Signifikanz der aktuellen extrem niedrigen Position zu erhöhen.
  2. Eine Extrem-Position nahe der Nulllinie, ist meiner Meinung nach, aussagekräftiger als eine hohe Extrem-Position.
  3. Eine Extrem-Position ist in der Regel eine Kontra-Indikation, was so viel heißt, dass die Wahrscheinlichkeit auf die Fortsetzung des langfristigen Abwärtstrends nun gestiegen ist.
  4. Für eine Euro-Aufwertung müssen keine hohen Nettlong Extrempositionen verzeichnet werden. Daraus folgt, dass der Euro weiterhin zur Stabilität neigen könnte, sofern Short-Positionen weiter abgebaut werden.

Also, die Quintessenz des Ganzen ist so wie immer folgende. Der COT-Bericht kann uns hin und wieder mal die Kursentwicklung bestätigen und hin und wieder kann er mal Extrem-Positionen anzeigen, die einer näheren Analyse bedürfen. Aber, hüten Sie sich vor Aussagen nach dem Motto: „Spekulanten lösen weiteren Abwärtsdruck aus“ oder  „Short-Covering der Spekulanten deutet auf einen neuen Trend hin“ oder auch diese hier, die übrigens aus 2015 ist: Daten belegen: Profi-Spekulanten wetten verstärkt auf steigenden US-Dollar. Das ist nichts als Bla Bla.

Die wahren Hintergründe für Kursbewegungen vor allem bei Währungen haben wenn überhaupt einen höheren Bezug zum Anleihemarkt. Die Positionierungen irgendwelcher Gruppen an den Terminmärkten hat da eine sehr begrenzte Aussagekraft und ganz bestimmt ist sie nicht der Grund für Kursbewegungen.

Viel Erfolg!

David Iusow


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